Vortrag: Darstellung der Roma in der Fotografie
Am 18. Juni 2026 hielt der gebürtige Südtiroler Fotohistoriker Anton Holzer in den Räumlichkeiten des Kulturvereins österreichischer Roma einen Vortrag über die fotografische "Darstellung von Roma und Sinti in der europäischen Pressefotografie". Er gab dabei Einblick in sein aktuelles, vom Österreichischen Wissenschaftsfonds gefördertes Forschungsprojekt, das er am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien durchführt.
Seit 2001 ist Anton Holzer Herausgeber der renommierten Fachzeitschrift FOTOGESCHICHTE, die sich mit den Themen Fotografie und Gesellschaft beschäftigt.
© Kulturverein österreichischer Roma
Holzer spannte einen weiten historischen Bogen vom 19. bis ins 20. Jahrhundert und zeigte, wie sich die mediale Darstellung der Volksgruppe über die Jahrzehnte veränderte und wie hartnäckig sich bestimmte Bilder dabei hielten. Anhand zahlreicher Beispiele machte er deutlich, dass diese Darstellungen selten der Wirklichkeit entsprachen, sondern vor allem Klischees und Fantasiebilder bedienten. Die Fotografie spielte dabei eine zentrale Rolle: Sie verlieh den Inszenierungen eine scheinbare Glaubwürdigkeit und trug so wesentlich dazu bei, stereotype Vorstellungen in der breiten Öffentlichkeit zu verankern.
Besonders aufschlussreich war der Hinweis, dass im 19. Jahrhundert häufig Theater- und Operettenstoffe als Vorlage für Fotografien
dienten. Das Bild der Roma und Sinti in den Medien war also oft nicht dem wirklichen Leben entnommen, sondern von der Bühne abgeschaut. Nicht selten verkleideten sich bürgerliche Frauen, die der Volksgruppe gar nicht angehörten, in entsprechende Kostüme und schlüpften so in eine idealisierte, von Bühne und Unterhaltungskultur geprägte Rolle.
Dass Fotografie aber auch ganz direkt als Werkzeug der Repression eingesetzt wurde, zeigte der Wissenschaftler am Beispiel Frankreichs. Ab 1912 wurden Roma und Sinti dort systematisch fotografisch erfasst und registriert. Die Kamera diente hier nicht der Berichterstattung, sondern der staatlichen Kontrolle und Überwachung. Dieses Beispiel verdeutlichte eindrücklich, wie dasselbe Medium je nach politischem und gesellschaftlichem Kontext völlig unterschiedlich eingesetzt werden konnte.
Diese inszenierten und instrumentalisierten Bilder hatten weitreichende Folgen. Sie prägten das öffentliche Bild der Roma und Sinti über Generationen hinweg und trugen dazu bei, Vorurteile zu festigen und fortzuschreiben.
Holzer zeigte aber auch, dass es dagegen Gegenstimmen gab, etwa in Zeitschriften, die von Roma selbst herausgegeben wurden und ein ganz anderes, selbstbestimmtes Bild vermittelten. Abschließend stellte er die Frage, welche Strategien heute entwickelt werden können, um vereinfachenden und stereotypisierenden Darstellungen in den Medien entgegenzuwirken. Eine Frage, die angesichts aktueller Debatten über Minderheiten in der Öffentlichkeit nichts an Aktualität verloren hat.
Die Möglichkeit, im Anschluss an den Vortrag Fragen zu stellen, wurde von den Anwesenden rege genutzt. Die lebhafte und angeregte Diskussion machte deutlich, wie sehr das Thema die Zuhörerinnen und Zuhörer bewegt hatte. In geselliger Runde fand der Abend einen gemütlichen Ausklang.
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