10. Todestag von Rudolf Sarközi
Vor 10 Jahren ging eine prägende Stimme der Roma von uns. Er hatte im Laufe seines Lebens große Anerkennung als einer der führenden Roma-Politiker erlangt, sowohl in Österreich als auch in ganz Europa.
Im Zuge der parlamentarischen Verhandlungen um die offizielle Anerkennung der Roma als sechste österreichische Volksgruppe im Jahre 1993 wurde Sarközi einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
© Andreas Stenger
Am 12. März 2016, hörte das Herz von Rudolf Sarközi zu schlagen auf. Nach langer Krankheit war sein Körper müde geworden, doch sein Geist blieb bis zuletzt stark. Für seine Familie und für den Kulturverein österreichischer Roma war dieser Tag ein tiefer Einschnitt, ein Moment, in dem die Welt für einen Augenblick stillzustehen schien. Die Erinnerungen an seine Worte, seine Stimme, seine Fröhlichkeit leben jedoch bis heute in unseren Herzen weiter.
Geboren 1944 im sogenannten „Zigeuneranhaltelager“ Lackenbach, kehrte er nach der Befreiung mit seiner Mutter Paula Sarközi in seine südburgenländische Heimatgemeinde Unterschützen im Bezirk Oberwart zurück. Seine Lebenserfahrung im Nachkriegsösterreich prägte sein späteres Engagement entscheidend. Seit den 1980er-Jahren engagierte sich Rudolf Sarközi für die Anerkennung der Roma als Volksgruppe, für die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Völkermordes an Roma und Sinti und die Durchsetzung von Entschädigungszahlungen an die noch lebenden NS-Opfer. Ein großes und wichtiges Anliegen war für ihn die Verbesserung der schulischen und universitären Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder sowie vor allem der Abbau von Diskriminierung. 1991 gründete Rudolf Sarközi den Kulturverein österreichischer Roma und stand diesem bis zu seinem Tod als Obmann vor.
In einem im Jahr 1988 publizierten Text mit dem Titel „Wege in die Zukunft“ schrieb er: „Wenn wir aktiv werden, so können wir auch was erreichen. Es liegt aber an uns, diese Aktivitäten zu setzen. Wir müssen unsere Probleme selbst in die Hand nehmen.“
Für mehr als drei Jahrzehnte verkörperte Rudolf Sarközi die Volksgruppe der Roma in Österreich. Sein Engagement hat deren Stellung in Österreich nachhaltig verändert. Für seine Tätigkeit erhielt er zahlreiche hohe Auszeichnungen wie zum Beispiel das „Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“, den Berufstitel „Professor“ sowie die EU-Auszeichnung „Solidar Silver Rose“, die ihm im EU-Parlament in Brüssel verliehen wurde.
Heute, zehn Jahre nach seinem Tod, gedenken wir mit großem Respekt seines Lebenswerks. Sein Wirken bleibt Mahnung und Verpflichtung zugleich. Er kämpfte gegen Vorurteile, für mehr Verständnis und Respekt zwischen den Menschen, für Erinnerung und für gleiche Rechte in einer demokratischen Gesellschaft. Wir werden sein Engagement, seine Stärke und seine Menschlichkeit nie vergessen.
Sein Leitsatz lautete: „Es gibt keine Rassen, es gibt nur Menschen anderer Hautfarbe und anderer Nationalität“.