Kulturverein österreichischer Roma Dokumentations- und Informationszentrum

In der Stadt Salzburg wurde dem Genozid an den Roma und Sinti gedacht.

Am 17. April 2026 fand in Salzburg am Mahnmal am Ignaz-Rieder-Kai 21 die jährliche Gedenkstunde für Roma und Sinti statt. Die Veranstaltung, organisiert vom Kulturverein österreichischer Roma gemeinsam mit dem Friedensbüro Salzburg, galt dem Gedenken an die während des Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Roma und Sinti.

Das Mahnmal wurde vom Salzburger Bildhauer Zoltán Pap gestaltet. Mit seinen Kunstwerken tritt er für Demokratie und Zusammenhalt ein.

Das Mahnmal wurde vom Salzburger Bildhauer Zoltán Pap gestaltet. Mit seinen Kunstwerken tritt er für Demokratie und Zusammenhalt ein.

Bei der eindrucksvollen Gedenkveranstaltung setzten sich Schülerinnen und Schüler der 5b Klasse des Gymnasiums St. Ursula mit der Verfolgungsgeschichte der Roma während der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Musikalisch begleitet wurden die Reflexionen von Schülerinnen und Schüler der 7b Klasse des Eb. Privatgymnasiums Borromäum. Im Rahmen eines Schulprojekts hatten sie sich im Vorfeld mit historischen Quellen, persönlichen Schicksalen und der systematischen Ausgrenzung der Roma-Volksgruppe beschäftigt. Ihre Beiträge verliehen der Veranstaltung eine besonders bewegende und zugleich mahnende Note. 

Schülerinnen und Schüler mit Vertreterinnen und Vertreter der Roma-Gemeinschaft sowie Ehrengästen.

 Eröffnungsworten betonte die Geschäftsführerin des Friedensbüros Salzburg Barbara Sieberth die Bedeutung der Erinnerungskultur und das Gewalt niemals das Mittel für Frieden sei. Christian Klippl, Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma, hob in seiner Rede hervor, dass das Leid und die Geschichte der von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Roma und Sinti lange zu wenig gehört und zu oft verdrängt wurde. „Dieses Mahnmal erinnert uns daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch stand: mit einem Namen, einer Familie, Träumen, Hoffnungen und Wünschen.“ 

Der Salzburger Gemeinderat Markus Grüner-Musil sowie der Landtagsabgeordnete Karl Zallinger hoben in ihren Reden die Bedeutung des Erinnerns, die Verantwortung der Gegenwart hervor. Die Politiker machten deutlich, dass Diskriminierung und Rassismus keinen Platz in der Gesellschaft haben dürfen.

Ein besonders berührender Moment war die Lesung von Rosa Gitta Martl, Tochter der KZ-Überlebenden Rosa Winter. Sie trug Auszüge aus den Erinnerungen ihrer Mutter vor, die als Statistin für Leni Riefenstahls Film „Tiefland“ arbeiten musste. Als sie zu ihrer Familie zurückkehren wollte, wurde sie gefangen genommen und ins KZ-Ravensbrück deportiert – was ihr das Leben rettete, da ihre in Maxglan verbliebenen Verwandten nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht wurden. Die persönlichen Schilderungen machten das unermessliche Leid greifbar und verliehen eine zutiefst menschliche Dimension.

Rosa Gitta Martl war Mitbegründerin und langjährige Geschäftsführerin des Vereins Ketani für Sinti und Roma mit Vereinssitz in Linz.

Mit einer Kranzniederlegung endete die Veranstaltung in stillem Gedenken und unterstrich eindrucksvoll, wie wichtig es ist, die Vergangenheit wachzuhalten und aus ihr zu lernen.

Das Mahnmal, besteht aus einem Sockel aus Ziegelsteinen, die an die Kamine der Krematorien erinnern. Daraus ragt eine Hand empor, Metallplatten lösen sich nach hinten in einen Flammenstern auf. Es wurde im Dezember 1985 enthüllt und ist das zweite Mahnmal für Roma und Sinti in Österreich.


Druckversion