Kulturverein österreichischer Roma Dokumentations- und Informationszentrum

Lackenbach: Gedenken beim Mahnmal für Roma und Sinti

Am 13. November 2021 wurde in Lackenbach beim Mahnmal für Roma und Sinti an die von den Nationalsozialisten ermordeten Roma und Sinti gedacht. Enthüllt wurde eine Tafel mit den wichtigsten Informationen zum Anhaltelager Lackenbach.

v.l.: Emmerich Gärtner-Horvath, Gesandter Rainer Rudolph, Christian Klippl, Landtagspräsidentin Verena Dunst, BM Alma Zadic, Landesrat Heinrich Dorner, Norbert Cserinko, LAbg. Patrik Fazekas.

v.l.: Emmerich Gärtner-Horvath, Gesandter Rainer Rudolph, Christian Klippl, Landtagspräsidentin Verena Dunst, BM Alma Zadic, Landesrat Heinrich Dorner, Norbert Cserinko, LAbg. Patrik Fazekas.

Begrüßt wurden die Gedenkteilnehmer, an diesem trüben und kühlen Samstagvormittag vom Lackenbacher Vizebürgermeister  Norbert Cserinko, in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Christian Weninger. Unter den Ehrengästen befanden sich Justizminsterin Alma Zadic, Landesrat Heinrich Dorner sowie Landtagspräsidentin Verena Dunst. Weitere Anwesende waren VertreterInnen  des Burgenländischen Landtages, der Diplomatie, der hohen Geistlichkeiten, der Opferverbände sowie der österreichischen Roma- und Sinti-Vereine.


Justizministerin Alma Zadic: "Es ist beschämend und erschütternd, was hier zu der Zeit des Nationalsozialismus passiert ist."

Landesrat Dorner unterstrich die Bedeutung des Mahnmals seiner Heimatgemeinde als Zeichen der Erinnerung: "Gerade das Anhaltelager in Lackenbach muss uns ein Ort der Mahnung sein, der uns immer dazu verpflichtet, darauf hinzuweisen, wohin Rassimus, Hetze gegen Minderheiten, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit geführt haben - in das größte und schrecklichste Verbrechen der Geschichte der Menschheit druch ein verbrecherisches NS-Regime.

Gerechtes Miteinander einsetzen
Bundesministerin Alma Zadic sagte, dass die Hassreden der Nationalsozialisten zur Menschheitskatastrophe geführt haben und die Hassrede die Opfer definierte. "Uns trifft die Verantwortung zu verhindern, dass so etwas je wieder geschieht. Wir müssen uns auch weiterhin für ein gerechtes Miteinander einsetzen, wo jeder in unserer Gesellschaft einen Platz hat."

Genese des "Zigeunerlagers"
Über die Entstehungsgeschichte des "Zigeunerlagers" Lackenbach sprach der burgenländische Historiker Herbert Brettl. Er berichtete, dass die treibende Kraft des Lagerprojektes Lackenbach nach eigenen Angaben der gebürtige Salzburger Bernhard Wilhelm Neureiter war, der 1922 als Lehrer ins Burgenland kam. Ende der 1920er Jahre machte Neureiter als selbsternannter Romaforscher auf sich aufmerksam. 1933 trat er der NSDAP bei und war von 1939-1944 NS-Ortsgruppenleiter und zeitgleich Bürgermeister der Gemeinde Neustift an der Rosalia sowie Beauftragter für Zigeunerfragen im Rassenpolitischen Amt der Gauleitung Niederösterreich. Sein Ziel war ein zentrales geschlossenes Lager einzurichten. Am 23. November 1940 richteten die NS-Behörden das "Zigeunerlager" in Lackenbach ein.

Schüler/innen des BORG Oberpullendorf.

Völkermord nicht vergessen
"Der Völkermord an den Roma und Sinti darf nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb ist diese heutige Gedenkveranstaltung, die seit Anfang der 1990er alljährlich im November stattfindet und heuer trotz der dramatisch ansteigenden Corona-Infektionszahlen durchgeführt werden kann, ein unverzichtbarer Akt unserer Gedenk- und Erinnerungskultur", hielt Christian Klippl, Obmann des Kulturverein österreichischer Roma fest. Er merkte an, dass Lackenbach eng mit seiner Familiengeschichte verbunden ist. Seine Großmutter wurde 1945 von den Alliierten befreit. "Sie wäre am 9. November 100 Jahre alt geworden, genauso alt wie das Burgenland. Trotz dessen was ihr angetan wurde, war das Burgenland ihre Heimat, die sie liebt."

Umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung mit selbst gestalteten Textbeiträgen über das Leid der KZ-Häflinge des Lagers Lackenbach von Schüler/innen  der Klassen 5B/5C des  Gymnasiums Oberpullendorf.

Alle Gedenkteilnehmer mussten sich vor der Kundgebung beim Eingang zur Gedenkstätte von einem Fachpersonal einer COV-19 Maßnahmenkontrolle unterziehen, ob sie geimpft oder genesen sind.

Der Text der Informationstafel ist in Deutsch und Romanes.

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