Kulturverein österreichischer Roma
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Lackenbach: Gedenken beim Mahnmal für Roma und Sinti

1984 wurde die erste Gedenkstätte für die im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti in Österreich enthüllt.

Am 16. November 2019 wurde in Lackenbach beim Mahnmal für Roma und Sinti an die von den Nationalsozialisten ermordeten Roma und Sinti gedacht. Die Gedenkveranstaltung stand im Zeichen "30 Jahre Roma-Bewegung."

Der Obmann des Kulturverein österreichischer Roma, Christian Klippl, sagte in seiner Ansprache, dass dieser Gedenktag für ihn stets ein ergreifendes Ereignis sei. Er dankte den zahlreich erschienen Gedenkteilnehmern für ihr Kommen. Der Vereinsvorsitzende erinnerte an die Enthüllung des vom Architekten Matthias Szauer gestalteten Mahnmales vor 35 Jahren, am 6. Oktober 1984, durch Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger. Der Wiener Sinto Josef Fojn, als einer der wenigen Überlebenden von Lackenbach, schilderte bei der Enthüllung in ergreifenden Worten über die grauenhaften Ereignisse, die sich im Lageralltag zugetragen haben.

30 Jahre Roma-Bewegung
Klippl betonte, dass die Roma in Österreich heutzutage als selbstbewusste, couragierte und engagierte Menschen auftreten und dies nicht von ungefähr kommt. "Der Ursprung lieg Ende der 1980er Jahre, als eine Gruppe mutiger junger Roma und Romni sich gegen die gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung aufgelehnt haben. Daraus resultierte sich des ersten Roma Vereines in Oberwart. Vor 30 Jahren begann die Roma-Bewegung in Österreich!" Mit großer Genugtung, so der Vereinsobmann, können wir sagen, diese drei Jahrzehnte ist eine Erfolggeschichte: "Es gibt Volksgruppenangehörige die Hochschulabschlüsse haben und ihr erlerntes Wissen einsetzen. Wir haben in der Arbeitswelt Facharbeiter, die führende Positionen. Sie alle sind als Menschen geschätzt." Klippl stellte zum Beginn der Roma-Bewegung einen sinnbildlich  Bezug  zum Berliner Mauerfall im November 1989 her, der als "Wende" bezeichnet wird. Für die Roma in Österreich ist das Jahr 1989 auch eine "Wende" in der leidvollen Geschichte geprägt von Verfolgung, Vernichtung, Verachtung, Herabwürdigung und Ausgrenzung. Klippl: "Wir werden weiterhin hart daran arbeiten, dass das bisher Erreichte nicht leichtsinnig aufs Spiel gesetzt wird und wäre unentschuldbar. Wir werden uns den zukünftigen Herausforderungen stellen, wir haben keine Angst Verantwortung zu tragen."

Nationalratsabgeordneter DI Nikolaus Berlakovich

Förderung der Volksgruppen
Nationalratsabgeordneter DI Nikolaus Berlakovich und Volksgruppenangehöriger der Burgenland-Kroaten verwies in seiner Rede auf die in Österreich sechs anerkannten Volksgruppen. Seiner Meinung nach ist es wichtig, dass die Republik Österreich Menschen anerkennt die eine andere Kultur und eine andere Sprache haben, die zu erhalten und zu fördern es gilt. " Ich finde, dass wir heute in Österreich für die Volksgruppen und insbesondere die Roma, mehr tun müssen, weil die Sprache und die Kultur leider, je nach Volksgruppe unterschiedlich, aber doch, in Vergessenheit geraten oder nicht mehr verwendet werden", betonte Berlakovich.

Ehrenzeichen für Emmerich Gärtner-Horvath
Der gebürtige Lackenbacher Landesrat Mag. Heinrich Dorner er kam in Vertretung von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, sagte in seiner Rede, dass er schon als Schüler bei dieser Gedenkveranstaltung teilgenommen hat. "Lackenbach ist ein Ort der Mahnung, der uns immer dazu verpflichtet, darauf hinzuweisen, wohin Rassismus, Hetze gegen Minderheiten, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz geführt haben", so Dorner.

Landesrat Heinrich Dorner überreicht Emmerich Gärtner-Horvath das "Grosse Ehrenzeichen des Landes Burgenland".

Im Zuge der Gedenkkundgebung wurde der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates der Roma, Emmerich Gärtner Horvath, für seine Arbeit und seinen Einsatz für die Volksgruppe mit dem „Großen Ehrenzeichen des Landes Burgenland“ geehrt. Überreicht wurde die Auszeichnung von Landesrat Dorner. Gärtner-Horvath, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Charly“ gehörte zu jener Garde von jungen Roma und Romni die sich Ende der 1980er Jahren gegen die Diskriminierung der Roma aufgelehnt haben. Daraus resultierte sich die Gründung des ersten Roma Vereines in Österreich im Sommer 1989, dem Verein Roma Oberwart, wo Gärtner-Horvath Mitbegründer war.

Gedanken der Jugend
Traditionell wirken bei der Gedenkveranstaltung Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums in Oberpullendorf sowie die Roma-Kinder und Jugend der Oberwarter Eoma-Lernbetreuung mit. Mit ergreifenden und berührenden Texten hatten sie ihre Überlegungen zum Thema Rassismus und 30 Jahre Roma-Bewegung in Österreich vorgetragen.

Roma-Kinder der Lernbetreuung des Verein Roma-Service.

Geistlichen Beistand mit ihrem Ökumenischen Gebet leisteten Roma-Seelsorger Pfarrer Matthias Platzer, die Evangelische Pfarrerin MMAg. Irmgard Langer, Pfarrer Mag. Michael Shinto Vargesse, Pfarre Lackenbach, und Manuela Horvath von der Roma-Pastoral sprach ein Gebet in Romanes.

Presseaussendung von Sobotka
Anlässlich der Gedenkveranstaltung in Lackenbach, hielt in einer Presseaussendung Nationalratspräsident Mag. Wolfgang Sobotka fest: "Die Kultur der Roma und Sinti ist ein Bestandteil der österreichischen Identität, die nicht zuletzt durch Vielfalt und durch ein klares Bekenntnis zu den Volksgruppen geprägt ist" Die Verfolgung der Roma und Sinti im Dritten Reich war Teil eines unvorstellbaren Genozids – des sogenannten "Porajmos" – an den europäischen Roma. "Gedenken ist kein statisches Verhalten, das sich darin erschöpft, sich zu bestimmten immer wiederkehrenden Anlässen formelhaft zu äußern", sagt Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. "Es muss sich an den Erfordernissen der Gegenwart orientieren – mit dem Ziel, die Zukunft zu gestalten."
Aussendung nachzulesen unter:
https://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2019/PK1089/index.shtml


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