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Lackenbach: Gedenken an NS-Opfer der Roma-Volksgruppe

Kranzniederlegung: Christian Klippl, Altbundeskanzler Dr. Franz Vranitzky, LH Hans Niessl, Staatssekretärin Muna Duzdar, Landtagspräsident Christian Illedits, Emmerich Gärtner-Horvath, deutsche Gesandte Michaela Spaeth - v.l.

Kranzniederlegung: Christian Klippl, Altbundeskanzler Dr. Franz Vranitzky, LH Hans Niessl, Staatssekretärin Muna Duzdar, Landtagspräsident Christian Illedits, Emmerich Gärtner-Horvath, deutsche Gesandte Michaela Spaeth - v.l.

Am 19. November 2016 fand auf Einladung der Burgenländischen Landesregierung und des Kulturverein österreichischer Roma die Gedenkveranstaltung beim Mahnmal für Roma und Sinti statt.

Christian Klippl, Obmann Kulturverein österreichischer Roma

Christian Klippl: "2016 ist für uns ein schmerzliches, ein emotionelles Jahr."

"Das Gedenken an die NS-Opfer ist für mich persönlich ein besonderes Anliegen." Mit dem Zitat vom Gründer des Kulturverein österreichischer Roma Prof. Rudolf Sarközi, der am 12. März 2016 im 72. Lebensjahr gestorben ist, begann die Rede von Christian Klippl, dem neuen Vereinsobmann und Neffen des Verstorbenen. Er verwies, dass Sarközi im November 1944 Anhaltelager Lackenbach geboren wurde und der Holocaustüberlebende diese Gedenkveranstaltung, das Andenken an die unschuldigen Opfer der Roma und Sinti als "unsere nationale österreichische Gedenkveranstaltung" bezeichnete.

Klippl erinnerte daran, dass vor 75 Jahren, Anfang November 1941, 5.007 Roma und Sinti vorwiegend aus dem Burgenland, davon 2.000 Häftlinge des KZ-Lackenbach in das "Zigeunerghetto" Litzmannstadt (Polen) deportiert wurden und keiner überlebte. Gemeinsam mit dem Obmann des Roma Verbandes in Polen, Roman Chojnacki enthüllte Klippl am 3. August in einem Waldstück bei Kulmhof einen Gedenkstein in Erinnerung an die ermordeten NS-Opfer der Roma-Volksgruppe. "Für mich war es in vielerlei Hinsicht ein sehr bewegender Augenblick."

Der Obmann des Kulturvereins betonte, dass mit dem Ableben seines Onkels, der Gallionsfigur und Gesicht der Roma-Bewegung, der Zeitpunkt gekommen ist, dass die Enkelgeneration der NS-Opfer diese besondere Verantwortung für unsere Volksgruppenangehörigen übernehmen werden. Abschließend dankte er der Burgenländischen Landesregierung für die Unterstützung zur Gedenkkundgebung: "Wir werden so lange es uns möglich ist die Gedenkveranstaltung hier in Lackenbach aufrechterhalten, denn sie hat ihren festen Platz in der Geschichte unseres Landes."

Modell des Miteinanders
Landeshauptmann Hans Niessl beteuerte, dass die meisten Opfer der NS-Gewaltherrschaft des Burgenlandes Roma und Juden waren und Erinnerungspolitik nach 1945 war eine lange Zeit von Schweigen, Verdrängung und Bagatellisierung geprägt. "Auch im Burgenland wurde kaum darüber gesprochen, dass viele Mitschuldig geworden sind."  Niessl verwies auf die Aufgabe der Politik und der Gesellschaft die eine besondere Verantwortung hat immer und überall wachsam zu sein und jeglichen Autoritären Tendenzen und jeglicher Form von fundamentalistischem Gedankengut entschieden entgegen zu treten. "Hier im Burgenland haben wir ein Modell des Miteinanders, dass in Europa ein Vorbild ist. Das friedliche und partnerschaftliche Miteinander der Volksgruppen und Konfession ist heute fester Bestandteil der burgenländischen Identität und ein Vorbild für andere Regionen. In unserer Burgenländischen Geschichte, wir feiern heuer 95 Jahre Burgenland hat es nie Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen gegeben, es hat immer ein partnerschaftliches Miteinander gegeben."

Spaltung der Gesellschaft
In Vertretung für Bundeskanzler Mag. Christian Kern war Staatssekretärin Mag. Muna Duzdar, in deren Ressortbereich Volksgruppenangelenheiten angesiedelt sind, bei der Gedenkfeier in Lackenbach anwesend. "Wir müssen davor warnen, was passiert, wenn die Gesellschaft gespalten ist und das Gegeneinander im Mittelpunkt steht. Auch heute erkannt man wieder Tendenzen der Trennung, zwischen oben und unten, zwischen arm und reich", sagte die Politikerin. Sie warnte davor, was geschieht, wenn der Hass wieder die Oberhand gewinnt und verwies auf die Initiative der Bundesregierung "gegen Hass im Internet", die auch ausdrücklich den Antiziganismus anspricht. "Volksgruppen dürfen nicht ausgeschlossen werden, sondern sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft."

Ing. Rudolf Strommer, 2. Präsident Landtag Burgenland

Ing. Rudolf Strommer, 2. Präsident Landtag Burgenland

Ort der Erinnerung
Landtagspräsident Christian Illedits und der 2. Landtagspräsident Ing. Rudolf Strommer sprachen in ihren Reden davon, das Lackenbach ein stiller Zeuge menschlichen Leidens sei, verursacht durch Menschenhand. "Ein Ort der Erinnerung und Mahnung," so der Landtagspräsident. Ing. Strommer verwies, dass es kaum mehr Zeitzeugen gibt, die über die Brutalität der NS-Zeit berichten. Daher, so der 2. Landtagspräsident, ist es unsere Aufgabe wir die Aufgabe zu Mahnen. Beide sprachen über ihre Teilnahme an der Gedenksteinenthüllung in Chelmno sowie über die Gedenkveranstaltung beim Mahnmal für Roma und Sinti in Auschwitz Birkenau im August dieses Jahres. Die Eindrücke, die diese Stätten des Todes bei ihnen weckten, wirken noch immer nach. Illdetis und Ing. Strommer erinnerten an das Wirken von Prof. Sarközi und ihm auch das vesprechen gaben, in Polen bei den Gedenkveranstaltungen anwesend zu sein.

Schüler/innen der 7b

Schüler/innen der 7b

Gedanken
Schülerinnen und Schüler der 7b des Gymnasiums Oberpullendorf haben sich mit Unterstützung ihrer LehrerInnen mit dem Thema "Vergessen" auseinandergesetzt und mit ihren Gedanken dazu die Gedenkfeier mitgestaltet.

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