NS-Völkermord an Roma und Sinti nicht in Vergessenheit geraten lassen

Nicole Sevik m. Sohn, Hofrat Marko Feingold, Univ.Prof.Dr. Erika Thurner, Christian Klippl, Landtagspräsident Dr. Josef Schöchl, Gitta Martl, Bgm-Stv. Mag. Anja Hagenauer, Barbara Wick (v.l.)

Nicole Sevik m. Sohn, Hofrat Marko Feingold, Univ.Prof.Dr. Erika Thurner, Christian Klippl, Landtagspräsident Dr. Josef Schöchl, Gitta Martl, Bgm-Stv. Mag. Anja Hagenauer, Barbara Wick (v.l.)

20. April 2018 - Stadt Salzburg, Ignaz Rieder Kai 21

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden beim ehemaligen Trabrennplatz Roma und Sinti zusammengetrieben und von dort in das „Zigeunerlager Maxglan“ gebracht.
Ende März / Anfang April 1943 wurde das Lager Maxglan aufgelassen. Die Mehrzahl der rund 300 Roma und Sinti wurde in das KZ-Auschwitz deportiert, eine kleinere Gruppe kam in das sogenannte „Zigeuner-Anhaltelager“ Lackenbach.

„Den Anstoß für die Errichtung des Salzburger Denkmals - vor mehr als 34 Jahren - gaben Forschungen zum ‚Zigeuner‘-Holocaust. Ein wichtiger zusätzlicher Impuls war die Einweihung eines Gedenksteins im burgenländischen Lackenbach im Oktober 1984. Das war das erste Mahnmal und der erste Gedenkakt für NS-Verfolgte Roma und Sinti – und dies nicht nur in Österreich, sondern europaweit.“

Univ.-Prof. Dr. Erika Thurner: "Einweihung des Mahnmals am 14. Dezember 1985 war eindrucksvoll."

Anlässlich der Gedenkstunde beim Mahnmal für Roma und Sinti in der Stadt Salzburg am 20. April 2018, gab die Historikerin Univ.-Prof. Dr. Erika Thurner einen Einblick wie es zur Einweihung in der Parkanlage am Ignaz Rieder im Dezember 1985 kam. Thurner verfasste 1984 die Publikation "Kurzgeschichte des nationalsozialistischen Zigeunerlagers in Lackenbach (1940-1945)". In ihrer Rede erzählte die Wissenschafterin, dass damals Salzburger StadtpolitikerInnen von SPÖ und Grünen dies zum Anlass nahmen, ein Erinnerungsmonument auch für Salzburg zu fordern und es erstaunlich rasch der Entschluss im Gemeinderat zustande kam.

Niemals verdrängen
Christian Klippl
, Obmann des Kulturverein österreichischer Roma, erinnerte an den Beginn der Gewaltexzesse, Erniedrigungen und Deportationen der Roma und Sinti vor 80 Jahren nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs im März 1938 an Hitler-Deutschland. Im Burgenland fanden zahlreiche Aktionen gegen Roma und Sinti statt, die dazu führten, ihnen ihre Lebens- und Erwerbgrundlage zu entziehen. Roma und Sinti wurden vom Stimmrecht ausgeschlossen, das Musizieren in der Öffentlichkeit, eine wichtige Einkommensquelle, wurde verboten. Ab Mai 1938 wurde allen Roma- und Sintikindern der Schulbesuch untersagt. Klippl: „Die Rassenideologie der Nationalsozialisten führte zum Massenmord an den Roma und Sinti in den Konzentrationslagern. Dies darf niemals verdrängt und nicht in Vergessenheit geraten.“

Das es zu keiner Geschichtsverdrängung kommt, dafür sorgt seit vielen Jahrzehnten Hofrat Marko Feindgold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg.  Klippl, freute sich, Feingold und seine Gattin Hanna bei der Gedenkfeier begrüßen zu dürfen. Feingold überlebte vier Konzentrationslager und ist mit 104 Jahren der älteste Holocaustüberlebende in Österreich. Unermüdlich setzt er seine wache Erinnerung ein, um in Schulen als Zeitzeuge zu referieren. Sein Bestreben, sein Antrieb sind die NS-Greueltaten die ihm widerfahren sind.

Wachsamkeit gegenüber Faschismus
An die Ereignisse vom März 1938 erinnerte auch der Salzburger Landtagspräsident Dr. Josef Schöchl in seiner Gedenkrede. „In Salzburg hat das NS-Regime mit der Machtergreifung jüdische Bürger, Roma und Sinti, Menschen mit Behinderung und Andersdenkende gefoltert, verschleppt und ermordet. Wir stehen dieser systematischen Niedertracht und Barberei betroffen, unvermindert bestürzt und ratlos gegenüber. Der Landespolitiker betonte, dass es die Verantwortung der heute Lebenden sei, das mahnende Gedenken und die Wachsamkeit gegenüber dem Faschismus unmissverständlich aufrechtzuerhalten.

Mit Rosa Gitta Martl, kam die Tochter der KZ-Überlebende Rosa Winter zu Wort. Winter wurde mit ihrer Familie in das KZ-Maxglan verschleppt. Sie wurde von der deutschen Filmregisseurin Leni Riefenstahl für den Film „Tiefland“ als Statistin missbraucht.

Die SchülerInnen wurden von ihrem Musiklehrer Reinhold Kletzander musikalisch begleitet.

Wie in den letzten Jahren gestalteten Schülerinnen und Schüler die Gedenkstunde mit musikalischen und literarischen Beiträgen. Heuer war dies die Klasse 7A des BORG Nonntal. Die GymnasiastInnen brachten ihre Gedanken zum Thema Ge(h)denk(en)Tag! auf Papier, die auf Wäscheleinen als „Pflückkarten aufgehängt waren. Menschen, die zur Gedenkveranstaltung kamen, sollten diese Karten „pflücken“ und sie mit nach Hause nehmen.

Pflückkarten

Mag.a Anja Hagenauer, Bürgermeister-Stv. der Stadt Salzburg, erzählte, dass sie Patentante einer Gymnasiastin sei, die der Roma-Volksgruppe angehört. Hagenauer versicherte, sie werde als „Tante Anja“ alles daran setzten, dass ihr Patenkind aufgrund ihrer Herkunft nicht in die Situation kommt, dass sie diskriminiert oder verfolgt wird. Ebenso gilt es für sie in ihrer Funktion als Politikerin daran zu trachten, sich für alle jene in allen Lebenslagen einzusetzen, wenn sie von der Mehrheitsgesellschaft geächtet werden. Hagenauer appellierte an die SchülerInnen der 7A wenn gleichaltrige oder auch ältere Menschen rassistisch angegriffen werden, dazwischen zu gehen und nicht alleine lassen.

Die Gedenkstunde wird seit 2002 alljährlich vom Kulturverein österreichischer Roma und dem Friedensbüro Salzburg mit Unterstützung von Stadt Salzburg und Land Salzburg veranstaltet.

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