25 Jahre Anerkennung der Roma als sechste österreichische Volksgruppe

Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures, Emmerich Gärtner-Horvath, Serdar Erdost, Christian Klippl, Mag.Hannah Lessing, Mercedes Echerer (v.l.).

Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures, Emmerich Gärtner-Horvath, Serdar Erdost, Christian Klippl, Mag.Hannah Lessing, Mercedes Echerer (v.l.).

Festakt im Palais Epstein

Anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Anerkennung der Roma als sechste österreichische Volksgruppe lud die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures am 20. November 2018 gemeinsam mit dem Kulturverein österreichischer Roma zu einem Festakt. Die Geschichte der Roma ist seit 400 Jahren eng mit der Geschichte Österreichs verbunden.

"Es ist mir eine große Freude gemeinsam mit euch, dem Kulturverein österreichischer Roma, so vielen Angehörigen der Volksgruppe und Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter heute ein historisches Jubiläum zu feiern", sagte Doris Bures zu Beginn ihrer Ansprache. Beim Festakt waren die Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller,  die Nationalratsabgeordnete Nurten Yilmaz, der Kuratoriumsvorsitzende des Zukunftsfond der Republik Österreich, Dr. Kurt Scholz, viele Regierungsmitglieder und  Nationalratsabgeordnete aus der Gesetzgebungsperiode der Anerkennung wie der frühere Nationalratspräsident Dr. Andreas Khol, die ehemalige Dritte Nationalratspräsidentin Dr. Heide Schmidt, Finanzminister a.D. Rudolf Edlinger , die vormaligen Abgeordneten Dr. Terezija Stoisits, Dr. Harald Ofner und Ernst Piller. Piller hatte im September 1992 gemeinsam mit Paul Kiss die Petition des KV-Roma und des Verein Roma im Parlament eingebracht. 

Beharrlichkeit und Leidenschaft
Die Zweite Nationalratspräsidentin erinnerte an Prof. Rudolf Sarközi (er verstarb im März 2016), dem Architekten der Anerkennung, der so Bures, sich mit Beharrlichkeit und Leidenschaft für seine Volksgruppe eingesetzt hat. Der Vereinsgründer des Kulturverein österreichischer Roma hatte damals gemeinsam mit Emmerich Gärtner-Horvath eine Stellungnahme für das Parlament vorbereitet. Darin schrieben sie: "Österreich ist nicht unser Gastland sondern unser Vater- und Mutterland zugleich. Wir sind stolz, Österreicher und auch Roma und Sinti zu sein. Wenn ich einen Wald pflanzen will, brauche ich nicht nur Pflanzen sondern auch den Boden dazu. Geben Sie uns diesen Boden."

Wie es zur Anerkennung kam schildert Rudolf Sarközi im Buch "Roma- Österreichische Volksgruppe. Von der Verfolgung bis zur Anerkennung". Aus dieser Publikation las auszugsweise die bekannte österreichische Schauspielerin Mercedes Echerer begleitet von persönlichen Anmerkungen.

Christian Klippl, Obmann des Kulturverein österreichischer Roma, dankte der Gastgeberin für den festlichen Rahmen zur Jubiläumsveranstaltung. Er betonte, dass 25 Jahre eine lange Zeit sei, jedoch in seiner Wahrnehmung sind diese zwei Jahrzehnte schnell vergangen und manchmal scheint es ihm als ob dieser für uns historische Tag erst vor kurzem war. Klippl sprach auch all jenen einen Dank aus, die von Beginn der Roma-Bewegung im Jahr 1989 bis hin zur Gegenwart dazu bei getragen haben dass sich die Roma-Volksgruppe zu einer selbstbewussten und selbstbestimmten Volksgruppe entwicklen konnte.

Budgeterhöhung der Volksgruppenförderung
Der Vereinsobmann nutzte die Festveranstaltung um auch einen Wunsch an den Finanzminister auszusprechen: "Über 20 Jahre wurde die Volksgruppenförderung nicht erhöht. Die fehlende Inflationsanpassung führte dazu, dass den Volksgruppenvereinen – und dazu meine ich auch die von den anderen fünf in Österreich anerkannten Volksgruppen - die Jahr für Jahr wichtige Arbeit leisten, faktisch immer weniger Geld zum Arbeiten bleibt. Bei der nächsten Bundesbudgetverhandlung auf uns nicht vergessen und das Budget der Volksgruppenförderung auch dementsprechend erhöhen, damit der Erhalt der autochthonen Volksgruppen auch weiterhin sichergestellt ist."

Podiumsgespräch
Im Anschluss der Ansprachen gab es eine Diskussionsrunde mit Mag. Dr. Gerhard Baumgartner, wissenschaftlicher Leiter des DÖW, Emmerich Gärtner-Horvath,Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma und Mag.a Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich. Im Mittelpunkt der Gespräche, die von Serdar Erdost, ORF Volksgruppenredaktion geleitet wurde, standen dabei die Themen namentliche Erfassung der im Nationalsozialismus ermordeten österreichischen Roma und Sinti, die Erinnerungskultur, der Erhalt der Sprache, dem Roman, sowie die Vorreiterrolle Österreichs in der Roma-Volksgruppenpolitik. Mag.a Hanna Lessing warf auch einen Blick in die Zukunft. "Wir dürfen nicht nur retourblicken, sondern auch nach vorne. Für uns sind Schulprojekte von besonderer Bedeutung, denn sie werden auch weiterhin die Erinnerung wachhalten."

Für die musikalische Umrahmung sorgte Ondrej Janoska, der bekannte Lieder wie etwa den "Monti Czardas" und "Wenn es Abend wird", aus der Operette "Gräfin Mariza" auf der Geige virtuos darbot. Mit dem tradtionellen Romalied "Djelem, Djelem", bei dem Mercedes Echerer zu den Klängen den dazugehörigen Liedtext las, endete der Festakt.

Gesamtmoderation der Veranstaltung: Serdar Erdost, ORF Volksgruppenredaktion

Beschluss der Anerkennung
Mit einstimmigem Beschluss des Nationalrates vom 16. Dezember 1993 wurden die österreichischen Roma und Sintigruppen als „Volksgruppe der Roma“ (Roma als Oberbegriff für die verschiedenen in Österreich lebenden autochthonen Untergruppen) anerkannt. Der Beschluss erlangte mit der 895. Verordnung der Bundesregierung im Bundesgesetzblatt 323/1993 am 23. Dezember 1993 Rechtskraft.

Am 24. Dezember 1993 wurde in der Wiener Zeitung folgende amtliche Mitteilung veröffentlicht:
„Der Volksgruppenbeirat für die Volksgruppe der Roma besteht aus acht Mitgliedern. Hiervon sind vier Mitglieder aufgrund von Vorschlägen der im §4 Abs.2Z.2 des Volksgruppengesetzes zu bestellen“.

Am 5. September 1995 fand die konstituierende Sitzung des Volksgruppenbeirates der Roma statt. Seither steht der Roma-Volksgruppe ein eigenes Gremium zur Verfügung, in dem die Volksgruppenangehörigen ihre Rechte vertreten können.

Podiumsgespräch. Emmerich Gärtner-Horvath, Mag. Dr. Gerhard Baumgartner, ORF Volksgruppenredaktion Serdar Erdost – Moderation, Mag. Hannah Lessing (v.l.).

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